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Von Anonymer Feigling am Wednesday 07. September 2005, 18:07 MEW (#1)
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Ja, ja, nette Idee, aber Bloedsinn. Selbst wenn jedes Wort 'blau' waere, den bestimmten Begriff, den ich suche, bekomme ich trotzdem erklaert.
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Von Anonymer Feigling am Wednesday 07. September 2005, 18:23 MEW (#2)
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Ack.
Eben erst eine hohe Vernetzung von einzelnen Informationen macht eine Enzyklopedie (oder irgendwas anderes) wertvoll. Das "jedes Wort blau" wird niemals eintreffen, denn niemand wird auf die Idee kommen "Stoppworte" (Konjunktionen, Artikel, Adjektive, Adverbien, etc.) zu "wikisieren". Was bleibt sind Verben, Substantive, bei denen es - in Abhaengigkeit zum Artikel - oft Sinn macht, sie zu "verlinken" (im Artikel zur Kernspaltung waeren das z.B. Neutronen, nicht aber "Wahrscheinlichkeit" [Das Wort kommt vor..]). Der WOZ-Artikel geht davon aus, dass Wikipedia der Assoziations-Blaster ist, oder die Benutzer auf einmal ihren gesunden Menschenverstand abschalten, dass das passieren wird, glaube ich eher nicht..
mfg.
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Nack
«Jedes Wort Blau» ist ein Problem bei Hypertexten im Allgemeinen und bei Wikipedia im Speziellen.
Jeder Hyperlink verlangt dem Leser eine Selektionsentscheidung ab: Weiterlesen oder Link anklicken. Dies zieht kognitive Kapazität eigentlichen Task, dem Lesen, ab. Darum gibt es in Hypertexten ein zuviel und ein zuwenig an referentiellen Links.
Ein Ausweg aus dem Dilemma ist der, nur die wirklich relevanten Verweise, die einen inhaltlichen Zusammenhang mit dem Text haben, zuzulassen. Dabei handelt man sich aber wieder Probleme ein, weil für unterschiedliche Leser unterschiedliche Links relevant sind.
Es hat sich gezeigt, dass Leser insbesondere an weiterführenden Links interessiert sind. Links also, die an das Gelesene anknüpfen und das bereits gesammelte Wissen vertiefen.
Leider trifft man in Wikipedia immer wieder auf unnötige Links, die gegen diese Lesererwartung verstossen. Vor allem bei Jahreszahlen fällt mir das auf. Wenn über irgend eine Entdeckung geschrieben wird, steht meistens auch eine Jahreszahl dazu. Oft ist diese mit einer Seite verlinkt, die andere Ereignisse des selben Jahres beschreibt. Mit dem eigentlichen Thema des Textes hat dieser referentielle Link aber gar nichts zu tun.
Als Nutzer stehe ich nun vor mehreren Problemen: Der Link hat mich abgelenkt, er hat eine Selektionsentscheidung provoziert, ich muss die Jahreszahlen-Seite anlesen und bewerten, ich muss sie verwerfen, ich muss eine Rückwärtsnavigation per Back-Taste einleiten, ich muss wieder in de ursprünglichen Text einsteigen.
Hätte es diesen Link nicht gegeben, wäre mir dieser ganze Fehlnutzungsprozess erspart geblieben und ich hätte mich auf den ursprünglichen Text konzentrieren können.
Das ist nur eine kurze Zusammenfassung der Probleme bei der Linkgestaltung in Hypertexten. Eine ausführliche Studie zum Thema hat Wolfgang Schweiger publiziert. Das Buch heisst: «Hypermedien im Internet. Nutzung und ausgewählte Effekte der Linkgestaltung»
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Von dawn am Wednesday 07. September 2005, 19:29 MEW (#5)
(User #8 Info)
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Als Nutzer stehe ich nun vor mehreren Problemen: Der Link hat mich abgelenkt, er hat eine Selektionsentscheidung provoziert, ich muss die Jahreszahlen-Seite anlesen und bewerten, ich muss sie verwerfen, ich muss eine Rückwärtsnavigation per Back-Taste einleiten, ich muss wieder in de ursprünglichen Text einsteigen.
Hast Du dir mal ueberlegt, einen Browser mit Tabs zu besorgen? --
Anyone can make an omelet with eggs. The trick is to make one with none.
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tja... dann war es wohl nicht so wichtig, und man kann den tab wieder schliessen. wenn ich so durch die gegend "surfe", sammeln sich bei mir immer unmengen von tabs an, die ich dann bei gelegenheit mal anschaue. wenn sie interessant wirken, schaue ich sie an - ansonsten schliesse ich sie halt.
kann ja nicht so kompliziert sein.
ihr seid alles kranke kinder --- www.zooomclan.org
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weil für unterschiedliche Leser unterschiedliche Links relevant sind
Richtig. Und nicht vergessen: Wie oft findet man etwas total anderes als man gesucht hat, weil man per Zufall ueber ein paar Links hinweggesprungen ist. Passiert mir oft. Und ist IMHO eines der tollen Effekte von Hypertext. Macht man daher auch absichtlich, nennt sich Linksurfen.
die andere Ereignisse des selben Jahres beschreibt. Mit dem eigentlichen Thema des Textes hat dieser referentielle Link aber gar nichts zu tun
Und dann kommt jemand der genau das Umfeld zu der Zeit wissen will. Oder gezielt einfach in der gleichen Zeit Linksurfen geht...
Der Link hat mich abgelenkt
Unzulaenglicher Bio-Rechner Filter. Das schreit nach einem Update. Die Software namens "selektive Wahrnehmung" hat sich bewaehrt. Damit lassen sich Sachen die in ein halbwegs festes Muster passen (z.B. die Jahreszahlen) automatisch ausfiltern. Bevor sie den Hauptprozessor ueberhaupt beschaeftigen, direkt in der Peripherie.
und ich hätte mich auf den ursprünglichen Text konzentrieren können
Das kannst du auch selber mit Client-seitigen Mitteln (= bei dir im User drin) erreichen, ohne vom Server und Admin (= der Wikipedia Wissensbasis und die Artikelschreiber) Aenderungen zu verlangen.
--
GPL ist neo-amerikanische Freiheit: du bist gezwungen frei - von jeder Moeglicheit die sie schaedlich erachten
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Von De'naa
(symlink-0511.to.denaa@spamgourmet.com)
am Thursday 08. September 2005, 10:00 MEW (#11)
(User #238 Info)
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Als Nutzer stehe ich nun vor mehreren Problemen: Der Link hat mich abgelenkt, er hat eine Selektionsentscheidung provoziert, ich muss die Jahreszahlen-Seite anlesen und bewerten, ich muss sie verwerfen, ich muss eine Rückwärtsnavigation per Back-Taste einleiten, ich muss wieder in de ursprünglichen Text einsteigen.
"Normale" Web-Seiten geizen (vglw) eher mit Links und vermitteln einem dadurch das Gefühl, die wenigen Links seien so auserlesen, dass man ihnen folgen "muss". Wer so trainiert dann auf reich verlinkte Wikis trifft, hat dann den unwillkürlichen Impuls, jeden Link anklicken zu "müssen", auch wenn das Müssen nur eine antrainierte Einbildung ist.
Das von dir beschriebene Problem ist also ausschliesslich eines der Lesekompetenz: Weil Wikipedia-Seiten anders sind als Nicht-Wiki-Seiten, müssen sie anders gelesen werden. Ein Leser muss seine Lesediziplin so schulen, dass er Begriffe nachschlägt, weil er etwas darüber erfahren will, und nicht weil es einen Link hat.
Es ist dem Autor nur sehr eingeschränkt möglich, diese Entscheidung vorwegzunehmen. Wenn ein Autor mögliche Links unterschlägt, um einen Text "lesbarer" zu machen, trifft er dadurch eine Selektion, die auf seinem eigenen Hintergrund basiert, und nicht auf dem jedes individuellen Lesers. Doch die Zeiten, in denen man die einheitliche Bildung und Kultur eines Durchschnitt-Enzyklopädienutzers voraussetzen konnte, sind längst vorbei (wenn es sie je gegeben hat).
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Ich kann dir ein Stück weit zustimmen, aber auch das Ignorieren von nicht relevanten Links kostet kognitive Kapazität, weil du zuerst mal zur Einsicht kommen musst, dass genau dieser Link nicht relevant ist.
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Dann gehen alle Menschen «falsch» vor. Ich spreche hier nicht aus meinen persönlichen Erfahrungen. Das was ich hier beschreibe wurde in empirischen Studien so nachgewiesen.
Auch beim Lesen von linearen Texten benutzen wir lokale Zugriffselemente (Sprung zu Textstellen) wie Titel, Überschriften, hervorgehobene Wörter, etc. als Entscheidungshilfen, ob der Abschnitt für unser Ziel lesenswert ist oder nicht. Hyperlinks sind zwar globale Zugriffselemente (Sprung zu anderen Seiten), haben aber die selbe hervorhebende Struktur wie lokale Zugriffselemente. Darum springt unsere Gehirn selbst dann auf Links an, wenn wir sie ignorieren wollen. Das ist ein unbewusster Prozess, den wir nur schwer beeinflussen können und den wir in Jahrelanger Lesesozialisation so herausgebildet haben.
Wir müssten unser Unterbewusstsein zuerst darauf trainieren, lokale von globalen Zugriffselementen in Hypertexten zu unterscheiden, bevor wir Links ignorieren können.
Zudem macht das Ignorieren von Links und anderen Zugriffselementen gar keinen Sinn. Beim Lesen entscheiden wir uns ständig. Zum Beispiel haben wir immer die Option das Lesen abzubrechen, wenn der Text unserem Leseziel nicht mehr dienlich ist.
An sich ist dieser permanente Entscheidungsprozess unproblematisch, wenn er nicht zu viel Ressourcen verbraucht. Erst wenn zu viele Entscheidungsoptionen permanent evaluiert werden müssen (zu viele Links, etc), frisst der Entscheidungsprozess wichtige Leseressourcen auf.
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Von Anonymer Feigling am Wednesday 07. September 2005, 18:54 MEW (#3)
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Von Anonymer Feigling am Friday 09. September 2005, 01:09 MEW (#16)
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"Wissen wird hier nicht mehr nach dem hierarchischen Prinzip des «Baumes der Erkenntnis» geordnet, das «die Wirklichkeit und das gesamte Denken des Abendlandes» beherrsche, wie Gilles Deleuze und Félix Guattari 1980 in «Tausend Plateaus» befanden."
Kenne deren Buch nicht. Ist ein Philosoph in der Nähe, der dies erläutern könnte?
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